Literarische Bildung im Fokus – Jahrestagung Deutsch der Grundschulseminare Baden-Württemberg am Seminar Offenburg

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Welche Rolle spielt Literatur in einem Deutschunterricht, der sich stetig weiterentwickelt und neuen Herausforderungen begegnet? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Ausbilderinnen und Ausbilder des Faches Deutsch der 14 Grundschulseminare Baden-Württembergs bei ihrer diesjährigen Jahrestagung am 3. Juli 2026 am Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Offenburg.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie sich literarische Bildung als Kern des Deutschunterrichts stärken und zugleich mit aktuellen fachlichen Entwicklungen sinnvoll verbinden lässt. Ziel war es, gemeinsame Perspektiven für die Ausbildung weiterzuentwickeln und neue Impulse für die Qualifizierung angehender Grundschullehrkräfte zu gewinnen.

Die Jahrestagung wird seit vielen Jahren gemeinsam von den Seminaren Offenburg, Freudenstadt und Weingarten getragen. Die organisatorische Verantwortung wechselt jährlich zwischen den drei Standorten und steht für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. In diesem Jahr war das Seminar Offenburg Gastgeber, im kommenden Jahr übernimmt das Seminar Weingarten die Organisation.

Mit Prof. Dr. Claudia Vorst von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd konnte eine ausgewiesene Expertin für Literaturdidaktik als Referentin gewonnen werden. In zwei Impulsvorträgen verdeutlichte sie die zentrale Bedeutung literarischer Bildung für den Deutschunterricht. Literatur eröffnet Kindern Räume für Fantasie, Perspektivwechsel und ästhetische Erfahrungen. Zugleich zeigte sie, welche Potenziale Medienverbünde und intermediale Zugänge für literarisches Lernen bieten und welche Bedeutung literarischen Gesprächen für Bildungsprozesse zukommt.

Bild von Prof. Dr. Claudia Vorst

An den ersten Vortrag schloss sich ein intensiver Austausch zwischen den Seminaren an. Die Teilnehmenden nutzten die Arbeitsphase als Resonanzraum für ihre Ausbildungspraxis: Welche Gedanken bestätigten die bisherige Arbeit? Welche gelungenen Beispiele gibt es bereits an den Seminaren? Wo zeigen sich Gemeinsamkeiten, wo unterschiedliche Herangehensweisen? Ebenso sammelten sie Fragen und Spannungsfelder, die sich aus den aktuellen Entwicklungen im Deutschunterricht ergeben. Diskutiert wurde beispielsweise, wie sich literarische Bildung stärken lässt, ohne Literatur auf die Funktion eines Trainingsmaterials – etwa für Lautleseverfahren – zu reduzieren. Ebenso stand die Frage im Raum, wie geeignete literarische Texte ausgewählt werden können, die sowohl die Leseförderung unterstützen als auch ästhetische Erfahrungen ermöglichen.

Diese Ergebnisse griff Prof. Dr. Vorst im zweiten Impulsvortrag unmittelbar auf. Sie ordnete die Erfahrungen und Fragestellungen wissenschaftlich ein und vertiefte sie. So entstand ein lebendiger Dialog zwischen Wissenschaft und Ausbildungspraxis, der die Tagung maßgeblich prägte.

In der zweiten Arbeitsphase richtete sich der Blick auf den Transfer in die Ausbildung. Die Teilnehmenden entwickelten konkrete Ideen, bündelten fachliche Argumente und formulierten erste Schritte für die weitere Arbeit an ihren Seminaren. Diskutiert wurde unter anderem, wie literarische Gespräche stärker in der Ausbildung verankert, Lesebänder literaturdidaktisch weiterentwickelt und intermediale Unterrichtsbeispiele intensiver genutzt werden können. Viele der entstandenen Anregungen werden nun an den einzelnen Seminaren weiterverfolgt.

Neben den fachlichen Impulsen bot die Tagung zahlreiche Gelegenheiten zum persönlichen Austausch. Bereits in den Kaffeepausen und beim gemeinsamen mediterranen Mittagsbuffet entwickelten sich viele Gespräche über Seminargrenzen hinweg. Dieser kollegiale Austausch wurde zum Abschluss bewusst fortgeführt: In einer gemeinsamen Gesprächsrunde berichteten die Seminare über Besonderheiten ihrer Ausbildung, diskutierten aktuelle Entwicklungen im Fach Deutsch und sammelten erste Themen und Ideen für die Jahrestagung 2027 am Seminar Weingarten.

Die Tagung machte erneut deutlich, wie wertvoll der Austausch zwischen Wissenschaft und Ausbildungspraxis ebenso wie der kollegiale Dialog zwischen den Seminaren ist. Die Teilnehmenden nahmen zahlreiche fachliche Anregungen, konkrete Ideen für ihre Seminararbeit und neue Impulse für die weitere Zusammenarbeit mit. Damit setzte die Jahrestagung ein deutliches Zeichen dafür, Literatur auch künftig als zentralen Bestandteil des Deutschunterrichts und der Lehrkräfteausbildung zu verstehen.

Bernd Schüssele